Empathie im Alltag: Wie ein einfacher Tisch und zwei Stühle Brücken bauten
Von Amira Bakhit-Eickmeier
Es war ein Experiment – und es wurde zu einer der bereicherndsten Erfahrungen meines Lebens. Als Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall Rosenberg arbeite ich oft in geschützten Räumen. Doch Rosenberg hat GFK nicht nur gelehrt, sondern gelebt – auch und gerade in Konflikten. Seine Geschichten, wie er durch Empathie Anfeindungen auflösen konnte, inspirierten mich.
Also meldete ich mich für ein Spielplatzfest an: Ein Tisch, zwei Stühle, selbstgemachte Plakate mit Einladungen wie „Was bewegt dich gerade?“
Ich setzte mich hin und wartete.
Die erste halbe Stunde: Stille. Dann kamen die ersten Menschen – ganz unterschiedliche: mehrere Männer, die über anerzogene Männlichkeitsbilder sprachen und wie sie versuchen sie aufzubrechen, eine Rentnerin, die sich gegen Rechts engagiert und nun endlich die Zeit dafür hat, eine Frau, die sich ausgeschlossen fühlte und wie sie mit Isolation umgeht, ein Mann aus dem Finanzsektor, der über Empathie diskutierte und wie wir mit zunehmender Verantwortung bereitsim Kindesalter Empathie lernen müssen.
Meine Haltung war klar: Dieser Tag sollte nicht um mich gehen. Ich war da, um zuzuhören – ohne zu bewerten, ohne zu urteilen. Empathisches Zuhören bedeutet, vollständig präsent zu sein, Gefühle zu benennen und Bedürfnisse zu vermuten. Die Gespräche wurden tief, ehrlich, manchmal befreiend. Es ging nicht um Lösungen, sondern darum, gehört zu werden.
Dieser Tag hat mir gezeigt: Empathie funktioniert überall. Marshall Rosenberg hat GFK als Haltung gelebt – nicht als Methode in bestimmten Kontexten. Wenn wir den Mut haben, zuzuhören, ohne zu urteilen, entstehen Verbindungen. Selbst dort, wo wir sie am wenigsten erwarten.
Dieses Experiment hat mich bestärkt, weiter Räume zu schaffen, in denen Menschen gehört werden. Empathie ist kein Luxus. Sie ist eine Notwendigkeit.
Props gehen an meinen Mann, der mir geholfen hat alles zum Spielplatz zu tragen und an die Orga, die sich auf das Experiment eingelassen hat.
Was bewegt dich gerade? Ich bin gespannt auf deine Gedanken – schreib sie mir in die Kommentare!



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